Weingut

Casajou

Casajou ist wohl das heißeste Schaumwein-Projekt im Penedès. Nicht weil es dort tatsächlich sehr heiß ist, sondern weil Laia Esmel und Jaume Vilaseca seit 2020 winzige Mengen aus alten Xarel·lo-Weinbergen kitzeln. Kühl-mineralische Würze, präzise Perlage und eine Spannung, die man in der Region lange gesucht hat.

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Ein Dorf mit 260 Einwohnern, 180 Hektar Reben und ein Weinberg, der alles veränderte — La Caldereta von Casajou

Wer im Penedès Cava sucht, bleibt meist in Sant Sadurní d'Anoia hängen. Wer weiterfährt, dem Fluss entlang, landet irgendwann in Sant Jaume Sesoliveres — ein Dorf, das aussieht, als hätte es sich nie entschieden, größer zu werden. Kalk, Ton und Sand sind hier ineinander verwoben wie ein Mosaik, die Böden prägen die Landschaft.

Laia Esmel und Jaume Vilaseca sind hier aufgewachsen. Jahre haben sie damit verbracht, die Weinwelt zu bereisen, bei Menschen zu arbeiten, die etwas wussten, das sie noch lernen wollten. Zurückgekommen sind sie nicht wegen einer Idee, sondern wegen eines einzelnen Weinbergs: La Caldereta.

1963 von der Familie Poch gepflanzt, südexponiert an einem Hang aus Ton, 1,5 Hektar, nahe Sant Sadurní d'Anoia. Für die Region wäre das Grand-Cru-Terrain. Man muss den Weinberg nur einmal gesehen haben, um zu verstehen, warum. 2020 bekamen sie die Chance, ihn zu übernehmen. Und vom ersten Tag an war klar: der wird komplett einzeln vinifiziert. In diesem Moment wurde aus einer Rückkehr ein Projekt.

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Der eigentliche Star bei Casajou ist das Tal und seine Geologie.

Tagsüber ist alles mediterran: heiß, trocken, wie erwartet. Aber dann kommen die Nächte. Kühle, feuchte Luft zieht durch das Anoia-Tal, sammelt sich an den Hängen, dreht die Temperatur zurück, bevor der nächste Tag beginnt. Reife Trauben, die trotzdem ihre Säure behalten, sind genau das, was ein guter Schaumwein braucht, und niemand muss es im Keller nachbauen. Ein Geschenk, sagen Laia und Jaume, wenn man sie danach fragt. Man spürt, dass sie es auch so meinen.

Das ist der eigentliche Unterschied zu allem, was man sonst aus der Region kennt. Cava wird meist früh gelesen, aus Angst um die Säure. Was dabei verloren geht, ist Substanz. Dünne Basisweine, die man später mit Dosage und langer Hefelagerung mühsam wieder aufbaut. Casajou braucht das nicht. Die Trauben kommen bereits reif und mit brillanter Säure in den Keller. Nach zwölf Monaten im Fass geht der Grundwein in die Flasche. Die zweite Gärung wird nicht mit Zuckerlösung eingeleitet, sondern mit süßem Most des neuen Jahrgangs. Méthode Traditionnelle, aber ohne Abkürzung und mit maximalem Terroir Gedanken.

Was daraus entsteht, sind Schaumweine mit Textur statt bloßer dünner Perlage. Kühl, mineralisch, salzig, mit einer Würze, die aus dem Boden kommt, nicht aus dem Fass. Weine, die man nicht als Aperitif abhakt, sondern die bleiben, den ganzen Abend lang. Die Sorte Schaumwein, für die man sonst automatisch zur Champagne greift. Nur dass hier niemand für den Namen mitbezahlt.

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Manche Weinberge hatte man schon abgeschrieben. Els Talls ist die Antwort darauf.

Mit Casajou keltern die beiden einen schnörkelosen Stil, der zeigt, wie ein ganzes Tal schmecken kann. Die alten Xarel·lo-Reben hatte man eigentlich schon aufgegeben. Jahrzehntelang kaum beachtet, manche so verwildert, dass niemand mehr an sie glaubte. Bis Laia und Jaume kamen und sie Stock für Stock zurückgeholt haben.

Els Talls ist ihr sprudelnder Beweis dafür. Fünf Weinberge, kofermentiert: Xarel·lo und Garnatxa Negra aus La Teixonera, aus sanften Pressungen. Manche Böden sind tonig, vom Anoia geprägt. Andere steiniger, kalkreicher, aus der Sierra. Jede Parzelle bringt etwas anderes mit, und statt diese Unterschiede zu glätten, lassen Laia und Jaume sie einfach stehen. Was daraus entsteht, ist floraler, texturierter, lebendiger als alles, was man sonst aus der Region kennt.

Heute trägt jeder Schluck diesen Weg mit sich, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Und ehrlich: genau das macht den Reiz aus. Die Flaschen sind selten, die Mengen winzig, und wer sie einmal im Glas hatte, versteht sofort, warum wir so viel Aufhebens darum machen.